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Risikomanagement-Portal vs. RMIS

 Plattform-VS-RMIS Bild by Gratisography

Industrieversicherer und -makler sind Datenfabriken. Denn in deren klassischen Wertschöpfungsketten, wie der Schadenbearbeitung oder der Risikobeurteilung weltweiter Produktions- oder Lagerstandorte, fallen täglich große Datenmengen quasi als Nebenprodukt an. Und im Zeitalter gestiegener Anforderungen möchten vermehrt auch Risk & Insurance Manager diese Daten für ein faktenbasiertess, umfassendes und strategisches Risikomanagement nutzen.

Proprietäre Risikomanagement-Portale als Instrument der Kundenbindung

Viele Versicherer und Industrieversicherungsmakler versuchen daher, diesen enormen „Datenschatz“ zu heben und ihren international tätigen Geschäftskunden als exklusiven Service anzubieten.

Wie solche Services konkret aussehen und welchen Mehrwert sie bieten?

Mit Hilfe von analytischen Methoden können z.B. Vertrags-, Risiko- und Schadendaten aus unterschiedlichen Quellen zusammengeführt und über Risikomanagement-Portale so aggregiert und dargestellt werden, dass Kunden sie von jedem internetfähigen Endgerät zu jeder Zeit abrufen können. Zudem werden die Informationen jedem Stakeholder benutzer- und kontextgerecht zur Verfügung gestellt. („The right data, in the right format to the right people at the right time.“)

Ein gutes Beispiel ist das Risikomanagement-Portal „My Zurich“ der Zurich Versicherung, das im August 2014 an den Start gegangen ist. Dieses Kundenportal ermöglicht Risk & Insurance Managern globaler Großunternehmen den Zugang zu Informationen rund um ihr Risikoportfolio, dass sie über die Zurich versichert haben. Auf Knopfdruck können Sie sich z.B. einen Überblick über ihr Versicherungsprogramm, ihre Schäden oder Risk Engineering Aktivitäten verschaffen. Darüber hinaus erhalten sie Zugang zu weiteren Assets wie Hazard Maps, Auswertungen und Warnungen.

Die Kombination von kundenrelevanten Informationen und intuitiver Bedienbarkeit stellt eine Win-Win Situation für beide Seiten dar. Für den Risk & Insurance Manager, weil er ein Tool an die Hand bekommt, das ihn in seiner täglichen Arbeit unterstützt. Und für den Versicherer, weil er Kosten spart (weniger Anfragen, mehr self-service)  und zugleich ein veritables Instrument der Kundenbindung schafft.

Letztlich ist der Mehrwert eines Risikomanagement-Portals für beide Seiten umso größer, je mehr Risiken über ein und denselben Versicherer versichert sind - denn Versicherungsverträge , Risiko- oder Schadendaten von anderen Versicherern können nicht ohne weiteres in das Portal integriert werden.

Das Problem mit der Unabhängigkeit

Und genau hier liegt auch der größte Nachteil von proprietären, an das Versicherer- oder Maklermandat gebundene Risikomanagement-Portalen:

Sie bilden immer nur einen Teilausschnitt des gesamten Risk- und Insurance Ökosystems ab, in dem sich die meisten Corporate Risk & Insurance Services bewegen. Denn wenn Industriekunden bei Ihrer Risikofinanzierungsstrategie keinen „one-stop-shop“ Ansatz verfolgen, sondern ihre Risiken bei mehreren Versicherern platzieren (z.B. weil sie das Kontrahentenrisiko minimieren, oder die besten Prämien/Konditionen verhandeln wollen), dann stehen Sie weiterhin vor der Herausforderung, die relevanten Risiko- und Versicherungsdaten proaktiv von seinen diversen Versicherern und/oder Brokern anzufragen, zu validieren, konsolidieren und auszuwerten.

Ohne Zweifel ist bei den von Versicherern oder Maklern angebotenen Risikomanagement-Portalen von einer guten Qualität der Risiko- und Versicherungsdaten auszugehen. Denn die Daten werden aus den diversen Datenquellen (z.B. Vertrags-, Bestands- und Underwritingsysteme) automatisch zusammengeführt. Und nicht, wie bei vielen anderen Service Providern noch üblick, händisch und auf Anfrage.

Den Vorteilen eines versicher- oder maklerseitigen Risikomanagement-Portals stehen allerdings eine Reihe von Nachteilen gegenüber:

  • Die Nutzung des Services ist normalerweise an ein bestehendes Mandat gebunden. Wird das Mandat gekündigt, muss sich der Kunde nach alternativen Möglichkeiten umsehen, um den Überblick über sein weltweites Versicherungsprogramm oder seine Schäden zu behalten.

  • Bei den meisten Portalen handelt es sich um reine Auskunftsdienste, d.h. der Kunde kann selber keine Daten erfassen (z.B. Verträge, die außerhalb des internationalen Versicherungsprogramms oder bei einem anderen Versicherer platziert sind). Der Kunde ist auf seine Rolle als reiner Informationskonsument beschränkt.

  • Kunden können bei der individuellen Ausgestaltung des Portals nur beschränkt mitwirken. Welche Risiko- und Versicherungsdaten erfasst werden, wie Dashboards und Berichte aussehen und welche KPIs zur Verfügung gestellt werden, obliegt dem Versicherer.

  • Unvollständige TCOR: Vorfälle, nicht versicherte Ereignisse und versicherte Schäden innerhalb der Eigentragung werden im Versicherportal zumeist nicht dargestellt, da sie für die Schadenregulierung des Versicherers nicht relevant sind. Die Kosten der Eigentragung stellen für Kunden aber einen wichtigen Faktor bei der Berechnung der unternehmensweiten Gesamtrisikokosten (Total Cost of Insurable Risk/TCOiR). Denn diese Kosten müssen aus Kapitalreserven, Rückstellungen oder dem Cashflow des Unternehmens bezahlt werden.

Ein unabhängiges Risikomanagement-Informationssystem schafft Agilität

Ungeachtet der genannten Nachteile sind Risikomanagement-Portale, die Versicherer oder Makler ihren Kunden anbieten, ein wichtiger Baustein in den Digitalisierungsbestrebungen von Industrieversicherern/-maklern und deren Kunden.

Denn wie bereits erwähnt, bietet ein online-Portal dem Risk & Insurance Manager die notwendige Transparenz, um sich jederzeit einen Überblick über die unternehmensweite Risiko-, Vertrags- und Schadensituation zu verschaffen. Und vollständige und aktuelle Daten sind die Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen im Einklang mit der Risikostrategie.

Versicherer und Makler kommen und gehen und ein internationales Versicherungsprogramm, das heute bei Versicherer A, B und C versichert ist und über Makler D betreut wird, kann schon in ein paar Jahren auf Versicherer E, F und G umgedeckt werden (und durch Makler H und sein Netzwerk betreut werden).

Das Stichwort in einer sich permanent verändernden Risiko- und Versichererlandschaft heißt Agilität, also die Fähigkeit zum permanenten Wandel und die Anpassungsfähigkeit der eigenen Prozesse an die Umfelddynamik.

Corporate Risk & Insurance Services müssen sich daher Gedanken machen, wie sie unabhängig(er) von ihren Service Providern werden und zugleich sicherstellen, dass sie zu jeder Zeit die Kontrolle über ihre konzernweiten Risiko- und Versicherungsdaten und Prozesse behalten.

Ein Provider-unabhängiges Risikomanagement-Informationssystem (RMIS) ist ein guter Startpunkt für ein modernes, unabhängiges, transparentes und agiles Risk & Insurance Management. Denn mit einem unabhängigen IT-Tool entscheiden Risk & Insurance Manager ganz allein, wie Masken, Berichte und Dashboards aussehen, welche Prozesse über das Tool automatisiert werden und welche Stakeholder (lokale Niederlassungen, Makler, Versicherer, etc.) wie mit dem Tool arbeiten sollen.

 

Detaillierte Informationen über den Einsatz eines Risikomanagement-Informationssystems (RMIS)

Kategorien: RMIS Risikomanagement